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U9 beim Kinderarzt | Unser „spezielles“ Verhältnis – Was ist normal?

Mit dem fünften Geburtstag eines Kindes folgt ebenfalls die letzte Früherkennungsuntersuchung beim Kinderarzt. Die U9 stand bei uns an. Mein Sohn war an diesem Tag gut drauf und ich hatte keine Sorge, dass er irgendwelche Untersuchungen boykottieren würde.

Nach ein paar Minuten Wartezeit wurden wir zum Hör- und Sehtest gebeten. Wir setzten uns an einen Tisch und die Arzthelferin erklärte meinem Sohn, was nun passieren würde und bat ihn, die Tests nicht auf meinem Schoss, sondern allein auf einem Stuhl durchzuführen. Er verneinte deutlich und vergrub sein Gesicht in meiner Jacke. Ich wusste, er würde die Untersuchungen verweigern, wenn er nicht bei mir bleiben dürfe. Das machte mir erstmal überhaupt keine Sorgen, da ich Krümel nicht anders kannte. Also wurden die Untersuchungen auf meinem Schoss durchgeführt.

Das Gespräch mit dem Kinderarzt

Wir warteten wieder ein paar Minuten. Diesmal im Untersuchungsraum des Kinderarztes. Als er hereinkam, gab mir der Kinderarzt höflich die Hand und wollte auch meinem Sohn die Hand geben. Mein Sohn drehte sich weg und vergrub sein Gesicht wieder in meiner Jacke. Ich unterhielt mich kurz mit dem Arzt, dass Seh- und Hörtest unauffällig waren. Ich merkte, dass der Kinderarzt meinen Sohn und mich während des Gespräches genau beobachtete. Krümel wärmte ein wenig auf und sah den Arzt nun auch an, während er ein paar Fragen stellte.

Der Kinderarzt legte ihm Bauklötzchen in verschiedenen Farben hin und mein Krümel zählte alle Farben sofort auf. Nun legte er ein weißes Blatt bereit und malte verschiedene Formen auf, die mein Sohn nachmalen sollte. Auch das tat er ohne Probleme. Allerdings merkte ich nun schon, dass es meinem Sohn langweilig wurde. Es war halt nichts spannendes für ihn. Er fing an, auf meinem Schoss rum zu zappeln und rum zu albern. Für ihn war das alles ein Witz und machte sich ein Spaß daraus.

Nun sollte mein Sohn noch einen Menschen malen. Das war zuviel für meinen Sohn und er fing laut an zu kichern. Er lehnte sich an und malte mit gestrecktem Arm und Stift in der Hand gelangweilt einen Kreis, dann noch zwei Augen, die aussahen wie Spiralen und überdimensional groß waren. Dabei kicherte er die ganze Zeit. Ich musste mitkichern. Dadurch musste mein Sohn dann noch mehr kichern. Der Kinderarzt fand das wohl nicht so witzig: „Versuch mal, einen ordentlichen Menschen zu malen. Ich muss sehen, ob du das kannst“, sagte er. Meinem Krümel war das egal. Er malte einen langen senkrechten Strich vom oberen Kreis-/Kopfrand bis zum unteren, welches die Nase darstellen sollte. Dann kam noch der überdimensionale Mund. Natürlich durfte ein kreisrunder Köper nicht fehlen. Arme und Beine bestanden aus Strichen. Nun wollte er die Füße malen und meinte dann: „Der bekommt Schuhe an“ und malte Kreise an die Beine. Als Hände wurden dann wieder große Kreise gemalt, welches Handschuhe sein sollten. Er lachte sich schief, während er so am malen war und zum Schluss auch noch viel zu große kreisrunde Ohren malte.

Ich wusste ja, worauf es dem Arzt ankam

Es ging im Grunde darum, ob mein Sohn in der Lage ist, einem Menschen alle Körperteile zuzuordnen und dabei einigermaßen das Größenverhältnis zum ganzen Körper beachtete. Ich wusste, dass mein Sohn das auch vernünftig kann. Das war ja nicht der erste Mensch, den er malte. Wir gingen gar nicht weiter auf den gemalten Menschen ein. Es war wohl ok so. 

Krümel wurde immer alberner und hampelte noch mehr auf meinem Schoss herum und nur mit meiner Überredungskunst ließ er sich vom Arzt noch auf der Liege untersuchen, ohne dass ich dabei meinen Stuhl verlassen musste, und machte die Hüpftests und Ballspieltests ordentlich mit. Nach der Untersuchung war er mutiger und fummelte an den Schränken im Untersuchungsraum rum, welche anstatt eines Griffs nur Eingriffslöcher zum öffnen hatten. „Aber nicht aufmachen!“, meinte der Kinderarzt zu ihm. Mein Sohn grinste mich an, als wenn er sagen wollte: „Wie? Die kann man aufmachen?“. Er kam aber sofort zu mir und windete sich wieder gelangweilt auf meinem Schoss herum.

„…Sie und Ihr Sohn haben schon ein sehr spezielles Verhältnis zueinander, das merkt man deutlich…“

Wie bitte? Das hörte sich ja fast wie ein Vorwurf an. Im weiteren Gespräch erklärte er mir, dass es wohl nicht „normal“ sei, dass ein Kind mit fünf Jahren eine so enge körperliche Nähe zur Mutter sucht und Fremden gegenüber so abweisend und schüchtern ist. Das passiert oftmals dann, wenn Mutter und Kind allein leben und die allein erziehende Mutter (oder auch allein erziehender Vater) die einzige feste Bezugsperson im Haushalt ist. Ich fragte, ob ich mir nun sorgen machen müsse, dass mein Kind und ich dieses „spezielle“ Verhältnis zueinander haben. Seine Antwort waren kreisende Bewegungen seiner Schultern und ein spitz geformter Mund mit ganz leicht schüttelndem Kopf. Na… das war eine Antwort mit der ich viel anfangen konnte…

Und das denke ICH über dieses „spezielle“ Verhältnis

Ich machte mir keine weiteren Gedanken darüber und schmunzelte nur über diese Aussage. Mein Sohn und ich sind wie wir sind. Unser „spezielles“ Verhältnis ist nun mal so, wie es ist. Ich werde einen Teufel tun, und meinen Sohn zukünftig abweisen, wenn er auf meinen Arm möchte um zu kuscheln oder Schutz vor fremden Blicken sucht. Dafür bin ich doch Mutter, oder? Ist das nicht eine meiner Aufgaben als Mutter? Jedes Kind ist anders. Die einen sind mutiger und reden sofort mit Fremden, mein Sohn ist einfach vorsichtiger und braucht sehr lange um mit Fremden warm zu werden – worüber ich ehrlich gesagt sogar froh bin. Ich denke, ich brauche mir keine Vorwürfe zu machen. 

Aber auch in diesem Fall sieht man mal wieder, welchen Anforderungen schon Kleinkinder entsprechen sollten um in der Gesellschaft als „normal“ zu gelten. Denkt dein Kind mit fünf Jahren nicht daran, Ohren an seinen Menschen zu malen, ist es nicht „normal“. Kann dein Kind seinen Namen mit fünf noch nicht schreiben, ist es nicht „normal“. Erkennt dein Kind die Grundfarben mit fünf Jahren noch nicht, ist es nicht „normal“. Kann dein Kind mit fünf schon schreiben, rechnen und ein Gedicht von Goethe aufsagen, ist es ebenfalls nicht „normal“. 

Was ist „NORMAL“? 

Liebe Grüße!

ConnyCol.

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