Baby Familie Gesundheit NORDKINDSKÖPFCHEN Schwangerschaft Thoughts

BABY BLUES │Aber ich MUSS glücklich sein!

Genau das erwartet man von einer frisch gebackenen Mutter, glücklich sein! Du hast schließlich gerade dein Baby bekommen. Das wundervolle Geschöpf, welches du mehr als 9 Monate unter deinem Herzen getragen hast. 9 Monate lang haben 2 Herzen in deinem Körper geschlagen. Dein Körper hat Unglaubliches geleistet in dieser Zeit. Lange Monate hast du dich auf diesen Moment gefreut. Die Geburtsschmerzen sind schnell vergessen. Dieses unendliche Glück, welches du in den ersten Minuten nach der Geburt verspürst. Niemand kann nachempfinden, nicht einmal annähernd, wie du dich nach der Geburt deines mini-me’s gefühlt hast. Du weißt überhaupt nicht, wohin mit deiner ganzen Liebe, die du plötzlich ausschüttest. Sobald du deinen kleinen Wurm in den Armen hältst, würdest du sofort für dein Kind sterben, ohne zu zögern.

Doch dann beginnt es… bei manchen nach ein paar Stunden schon, bei manchen erst 1-2 Tage nach der Geburt. Es liegt nicht daran, dass du dein Baby plötzlich nicht mehr liebst, oder du es dir auf einmal anders überlegt hast. Nein… es gibt viele Gründe, die eine Mama nach der Geburt tot unglücklich machen. Wusstest du, dass 80% der Frauen nach der Geburt unter dem „Baby Blues“ leiden? Dreiviertel dieser Frauen reden nicht darüber. Sie schämen sich dafür, dass sie unglücklich und unzufrieden sind, obwohl sie eigentlich glücklich sein sollten. Manchmal wissen sie auch gar nicht, was mit ihnen los ist. Und genau das ist der Punkt. Jetzt gibt es nur noch zwei Möglichkeiten. Du kommst irgendwie durch diesen Baby Blues und nach ein paar Tagen ist alles vergessen, oder du rutscht in eine ernst zu nehmende Depression.

Auch ich war vom Baby Blues betroffen. Bei mir dauerte er etwa 3-4 Wochen. Doch ich war nicht ganz unvorbereitet. Ich hatte mich vorher schon damit auseinandergesetzt und wusste, dass es passieren kann, dass ich nach der Geburt in eine Art ungefährliche Kurzzeit-Depression fallen könnte. Wenn es dich völlig unvorbereitet trifft, weißt du zuerst gar nicht damit umzugehen und bist völlig überrascht, woher diese Heul-Attacken kommen, dieses Unwohlsein und diese Unzufriedenheit mit dir selbst und allem anderen auch. Die Welt ist blöd und kann dich mal. Jede zu treffende Entscheidung ist zu viel, und wenn es nur darum geht, was du essen möchtest oder wann du einkaufen fährst. Du würdest dich am liebsten mit deinem Baby irgendwo einsperren und ins Bett legen und nicht wieder rauskommen. Doch genau das ist natürlich verkehrt. Zuerst einmal muss man überhaupt verstehen, was im Körper vorgeht, damit man mit dieser Situation umgehen kann und die Zeit gut übersteht. Als erstes kann ich versprechen, dass es sich nicht um einen Dauerzustand handelt (jedenfalls nicht, wenn es sich um den üblichen Baby-Blues dreht). Die Phase geht nach ein bis vier Wochen vorbei. Der Höhepunkt dieser blöden Phase ist nach einer Woche normalerweise geschafft. Danach geht es bergauf.

Dein Körper hat eine harte Zeit überstanden

Du musst dir Folgendes im Hinterstübchen behalten: Dein Körper hat in den letzten 9 Monaten ein Wunder vollbracht. Ich meine nicht einfach ein daher gesprochenes „Wunder“, sondern ein wirkliches Wunder. Aus einer einzigen Zelle, die du mit dem bloßen Auge nicht erkennen kannst, ist genau das entstanden, was du in deinen Armen hältst. Dein Körper hat Leben erschaffen. Dein Körper hat 9 Monate lang 2 Menschen am Leben erhalten. Das muss man sich einmal bewusst machen.

Du erinnerst dich sicher an die Zeit kurz vor der Geburt. Du konntest wahrscheinlich nur in Etappen schlafen, weil sich der Körper auf das Baby und die Stillzeiten einstellt. Du warst ständig auf der Toilette, damit der Darm leer ist, falls es mit der Geburt losgeht (auch eine Vorbereitung des Körpers). Dein Appetit ließ langsam nach, damit der Darm nicht mit Verdauen beschäftigt ist, während du in den Wehen liegst. Deine Glückshormone schienen sich zu überschlagen. Die Vorfreude war so groß, dass du am liebsten dein Baby schon rausgedrückt hättest, damit du endlich das Babybett und den Wickeltisch benutzen und die süßen kleinen Klamotten ausprobieren kannst. All das hat evolutionär einfach was damit zu tun, dass dein Körper sich auf dein Baby vorbereitet. Dann die Geburt. Dein Adrenalin steigt bis ins unermessliche. Dein Körper stellt sich sofort auf die Produktion von Muttermilch ein. Deine Glückshormone sind auf einem Niveau, den du so in deinem Leben noch nie verspürt hast. Dein Baby ist endlich da und du hältst es im Arm. Einige Stunden später fängt der Körper an, sich wieder völlig umzustellen. Der Adrenalinspiegel sinkt von ganz ganz weit da oben wieder auf ein Normalpegel. Deine Glückshormone der ersten Minuten kommen auch langsam wieder auf den Normalstand. Du bekommst langsam hunger, weil dein Körper so viel Energie verbraucht hat.


Ich versuche dir diese körperliche Umstellung mal so vor Augen zu führen: Stell dir einen drogensüchtigen Menschen vor, der sich seit Jahren zudröhnt und sich im Rausch richtig gut fühlt. Der Drogensüchtige fühlt sich im Rauschmoment so frei und glücklich, und die Welt ist einfach nur super für ihn. Und dann nimm ihm die Drogen weg… Die ersten Stunden wird es noch gehen. Dann wird er in eine immer tiefere Unzufriedenheit und Depression fallen. Doch wenn er tapfer bleibt und sich anderen anschließt, die das Gleiche durchmachen, wird es ihm helfen, die harte Zeit zu überstehen. Nach einer Woche wird es ihm schon besser gehen und es geht von Tag zu Tag bergauf.

Reden… Reden… Reden…

Und das ist der Knackpunkt. Wenn du merkst, dass du in die Situation des Baby-Blues kommst, ist es keine Schande, darüber zu reden. Es ist sogar sehr wichtig. Vielleicht hast du im Krankenhaus andere Mütter kennengelernt, mit denen du vielleicht sogar Kontakt hast. Rede mit deiner Familie. Nur wenn andere verstehen, was gerade in dir vorgeht, können sie auf die eingehen und ich genau da unterstützen, wo du die Hilfe brauchst.

Sollte dein Baby-Blues länger als 4 Wochen andauern, sprich unbedingt mit deiner Hebamme oder deinem Arzt (Ärztin) darüber. In diesem Fall könnte es ich eventuell um eine Postpartale Depression handeln, die behandelt werden muss, was ebenfalls keine Schande ist.

Ich appelliere hier auch an die Ehemänner/Freunde und Familienmitglieder, die nicht verstehen, warum die eigene Frau/Freundin, Tochter, Schwester oder Ähnliches sich merkwürdig verhält, schlecht gelaunt ist und vielleicht andauern heult. Es liegt nicht an euch oder am neuen Familienzuwachs. Nein, eigentlich ist es sehr einfach. Man muss es nur einmal wissen. Unterstützung und Zuhören ist hier so wichtig!

Hinterlasse gerne ein Kommentar, wenn du auch unter dem Baby Blues gelitten hast. Es wird den Baby Blues Mamas helfen, wenn sie wissen, dass sie nicht alleine sind.

Liebe Grüße!

ConnyCol.

2 Comments

  • Reply
    Danni
    6. Juli 2016 at 23:24

    Toll geschrieben ; -)
    War zwar selber nicht betroffen, kann es dennoch sehr gut nachvollziehen.
    Mach weiter so :-*

  • Reply
    Conny
    7. Juli 2016 at 11:41

    Ich danke dir meine Liebe :-*

  • Leave a Reply

     
    %d Bloggern gefällt das: